Die besten Hochzeitsfotografen sind furchtlos

So ungefähr lässt sich einer der Claims von Fearless Photographers wohl am besten ins Deutsche übersetzen. Aber ist das wirklich so? Sind die Mitglieder dieses internationalen Netzwerks wirklich die besten Hochzeitsfotografen? Machen die Preisträger der alle zwei Monate vergebenen Fearless-Awards tatsächlich die besten Bilder?

Vergangene Woche war ich auf der Fearless-Konferenz in Budapest dabei. Auf dem Podium im Toldi-Kino stellte ausgerechnet der »Fotograf des Jahres 2016« genau das in Frage. »Manche Fotografen arbeiten nur noch für die Wettbewerbe«, beklagte der Spanier Victor Lax, der im vergangenen Jahr gleich zehn Fearless-Awards abgeräumt hat. «Sie kopieren nur noch.»

Denn solche Wettbewerbe – und «Fearless» ist ja beileibe nicht der einzige – prägen eben auch die Arbeit jener, die dabei mitmachen. Wer auf der Hochzeit seine Energie darauf verwendet, preiswürdige Fotos zu inszenieren, verpasst womöglich echte Emotionen und unwiederbringliche Momente – die keinen internationalen Preis wert sein mögen, für das Brautpaar aber unbezahlbar sind. Victor selbst hatte eindrückliche Beispiele dafür. Denn welche Fotos bleiben am Ende: die inszenierten oder die echten?

Ich bin seit 2014 Mitglied von Fearless Photographers, Preise habe ich noch keine gewonnen – habe aber auch noch keine Fotos eingereicht. Vielleicht, weil ich der Überzeugung bin, als Hochzeitsfotograf für meine Brautpaare zu fotografieren, für deren Kinder und Kindeskinder – aber nicht für Preisrichter. Auszeichnungen und Anerkennung schmeicheln dem Ego, keine Frage – aber viel wichtiger als das Lob von Kollegen ist mir immer noch die Anerkennung meiner Paare und Kunden.

Aber natürlich spornen Wettbewerbe auch an. Preisträger inspirieren. Dramatische, ausdrucksstarke Fotos, ob inszeniert oder nicht, zeigen, was geht. Und Fearless Photographers sind ja zum Glück auch mehr als die Awards. Auf einer Konferenz wie jetzt in Budapest geht es um den internationalen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, um neue Horizonte und den Blick über den Tellerrand. Wilde Bräute in Chile, Strandhochzeiten in Vancouver und Plattenbau-Romantik aus Bukarest – was gibt es Inspirierenderes, als die Fotografinnen und Fotografen hinter solchen Geschichten kennenzulernen?

Und bei allen Unterschieden in ihren Bildern und Geschichten – die zehn Speaker in Budapest sind doch immer wieder auf die gleichen zentralen Punkte zu sprechen gekommen. Nicht die Technik oder die Business- und Social-Media-Strategien entscheiden, sondern das richtige Mindset. Es geht darum, die Regeln zu kennen und sie zu verletzen, den Job zu lieben und Herausforderungen anzunehmen. Um Empathie, Instinkt, Nähe und Wahrhaftigkeit (Mónica Muñoz), das »Außergewöhnliche im Gewöhnlichen« (Emma Case) und den »Fokus auf die Emotion« (Isabelle Hattink) – also all das, was eine richtig gute Hochzeitsreportage ausmacht. Mal ganz abgesehen von allen Preisen.

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